Meine Begleiter durch die Trauer

Meine Lieben,

ich finde es ist Zeit hier mal wieder etwas zu schreiben.
Aus gegebenem Anlass werde ich heute ein bisschen etwas zur Trauerverarbeitung schreiben.

Fast fünf Wochen sind seit dem Tod unseres Sohnes vergangen, seit seiner Geburt eher, denn gestorben ist er schon vorher, in meinem Bauch.

Genau vor einer Woche war ich an einem schrecklichen Punkt angelangt. Der große Schock lag hinter mir und die Trauer traf mich mit voller Wucht. Das Ausmaß dessen, was uns passiert ist und seine Konsequenzen waren für kich kaum zu ertragen.

Ich weiß, dass ich an seinem Tod keine Schuld habe, dass es etwas ganz natürliches ist und das Babys nun mal manchmal sterben. (Egal ob gesund oder krank und ich habe dies für mich so „hingenommen“, denn ich kann es nicht mehr ändern)
Ich habe gelernt, dass man ein Baby nicht nur während der ersten Wochen der Schwangerschaft verlieren kann, sondern sogar kurz vor oder nach dem errechneten Stichtag, durch unvorhergesehene Tragödien. (auf die ich nicht näher eingehen möchte.)

Und doch hatte ich vor einer Woche das starke Gefühl, dass es meine Schuld war. Alles in mir schrie das und ich habe zwei Tage lang fast nur geweint.

Und dann schlug meine Stimmung plötzlich um und ich wusste: Ich muss mehr wissen! ich möchte etwas lesen!

Ich hatte bereits von einer ganz lieben Sternenmama, die ich über Instagram kennenlernen durfte, ein Buch bekommen, welches ihr damals sehr viel Trost und Kraft gespendet hatte.
Am Anfang habe ich nur einmal darin geblättert und einige wenige Passagen, die zu mir „passten“ gelesen und mich darin sehr bestärkt gefühlt.

Daraufhin bestellte ich mir die erneuerte Fassung.

-> Noch vor ein paar Wochen konnte ich mir nicht vorstellen etwas über Tod- und Fehlgeburten zu lesen, weil es mich jedes Mal zum Weinen brachte, aber mittlerweile verspüre ich einen inneren Frieden, wenn ich darüber lese und mehr und mehr Informationen bekomme und die vielen Berichte anderer Eltern lesen die ein Kind verloren haben. <-

„Gute Hoffnung – jähes Ende“ von Hannah Lothrop
– Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Begleitung und neue Hoffnung für Eltern –

Dies ist wohl das bekannteste Buch zu diesem Thema und auch eines der Umfassendsten, wie ich finde.
Als ich nun die neue, ergänzte und überarbeitete Fassung in den Händen hielt konnte ich nicht anders als einfach los zu lesen.

Ich habe fast alles aus diesem Buch verschlungen. Nur einige Passagen, die nicht zu meiner Situation passten habe ich übersprungen. Ansonsten habe ich alle Informationen regelrecht aufgesaugt und dankbar angenommen.

Es gibt zahlreiche Hilfestellungen zur Trauerverarbeitung und es werden die verschiedenen Phasen der Trauer angesprochen. Nach jedem abgeschlossenen Kapitel werden einem stichwortartig Fragen „gestellt“ die einem in jeder Phase eine Hilfe sein können und mit denen man für sich selbst abwägen kann was einem wichtig ist.

Mittlerweile empfinde ich dieses Buch als einen sehr schönen Begleiter während dieser unfassbar schrecklichen Zeit. Es öffnet einem ein bisschen die Augen und spendet Trost. Gleichzeitig hilft es einem zu verstehen was da eigentlich mit einem passiert ist.

Dieses Buch beschreibt auch für Begleitpersonen von Eltern die ein Kind verlieren sehr umfassend was man für diese tun kann und ich hatte beim Lesen sehr oft das Gefühl, dass die Ärzte, Schwestern und Hebammen in unserer Klinik dieses Buch sehr intensiv studiert haben, denn ich fand meine Situation sehr oft hier beschrieben.
Wie meine Hebamme mir z.B. kurz vor der Geburt sagte, dass sie mir meinen Sohn erst beschreiben wolle und ich dann für mich entscheiden könne ob ich ihn sehen wolle und wie sie mir später vorschlug mit meinem Sohn, der nun bei mir lag, zu sprechen.
Das hat mir Gänsehaut bereitet und mir gezeigt wie dankbar ich sein kann in einer so guten Gesellschaft gewesen zu sein.

 
„Erinnerungen an den Himmel“ von Dee Garnes & Wayne W. Dyer
– Was Kinder aus der Zeit vor ihrer Geburt berichten –

Dieses Buch hat im eigentlichen Sinne nichts mit diesem Thema zu tun.
Es wurde mir als Tipp ans Herz gelegt und für diesen bin ich überaus dankbar!

Nicht nur über den Tod unseres Sohnes sondern auch über die Existenz unserer Kinder denke ich ganz anders seit ich die unterschiedlichen Erfahrungen in diesem Buch gelesen habe. Eine tiefe Dankbarkeit erfüllt mich seitdem.

Es geht hier um Schilderungen von Kindern die berichten wie sie sich im Himmel mit Gott trafen um ihre Eltern auszusuchen.
Man muss nicht gläubig sein um dieses Buch zu lesen sondern einfach nur offen für Neues, für das Unbekannte und die Schönheit der Worte die hier geschrieben stehen.

Laut der Aussagen der vielen Menschen, die ihre Erfahrungsberichte in diesem Buch haben verewigen lassen, ist unsere Seele unsterblich. Das Leben beginnt nicht mit unserer Geburt und endet nicht mit unserem Tod.

Der Gedanke dass die Seele meines Sohnes vielleicht eines Tages auf irgendeine Weise und Form wieder in mein Leben treten könnte erfüllt mich mit großer Hoffnung und einem inneren Frieden den ich gar nicht in Worte fassen kann.

Dieses Buch hat meine komplette Sicht auf die Dinge verändert und mir einen sehr großen Teil meines Schmerzen und meiner Trauer genommen.

„Meine Folgeschwangerschaft“ von Heike Wolter
– Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und Fachpersonen nach Fehlgeburt, stiller Geburt oder Neugeborenentod –

Zugegeben, dieses Buch habe ich mir nicht wegen seines Titels gekauft. Ich finde sogar, dass die erste Hälfte dieses Buches eher nach dem Verlust gelesen sollte und nicht „erst“ wenn eine neue Schwangerschaft ansteht.

Ich fand es sehr befriedigend diese erste Hälfte zu lesen. Das klingt komisch oder völlig daneben, aber genau so habe ich es empfunden.

Dadurch, dass die Autorin so viele Erfahrungen anderer Eltern mit eingebracht hat ist dieses Buch ein wahrer Schatz, denn in jedem Kapitel bringt sie die unterschiedlichsten Gedanken und Berichte dieser Eltern mit unter wodurch ich mich in meinem denken bestätigt fühlte.

Für jeden ist während der Trauerarbeit etwas anderes „wichtig“ und trotzdm durchlaufen wir die selben Phasen.
Ich habe es sehr genossen die unterschiedlichen Gedanken aller Mütter in diesem Buch zu lesen die ein oder mehrere Kinde rverloren haben. Wir denken alle anders und so sollte es auch sein. Es gibt kein richtig oder falsch, genau so wie es oftmals keine Schuld gibt und doch fühlen sich viele Frauen schuldig für das was ihnen passiert ist.

In der zweiten Hälfte geht es dann um eine erneute Schwangerschaft nach diesem Verlust doch diesen Teil habe ich nicht mehr gelesen, aber ich denke dass auch dieser sehr umfassend geschrieben ist und einen in dieser zwiegespaltenen Zeit sehr hilfreich sein kann.

Ich wünsche niemandem ein solches Schicksal!
Wen es dennoch trifft, dem kann ich nur diese Bücher ans Herz legen, wenn die Zeit reif dafür ist.

Frau Hase

Tina Hase

Ich bin Christina, 29 Jahre alt, verheiratet und zweifache Mama.
Hauptberuflich bin ich Vollzeit-Mama und Hausfrau. In Amerika nennt es sich liebevoll Stay-at-Home-Mum ♥
Das Schreiben für meinen Blog sowie das Nähen und Fotografieren sind meine größten Leidenschaften.
Frau Hase

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